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Das dritte und vierte Jahrzehnt

1966 bis 1985 – Ein neues Haus, Gründung des Fördervereins, Hinwendung zur Breitenwirkung


Die Organisation und die Unterrichtsgebiete der Musikschule mussten sich immer mehr an eine sich stetig wandelnde Gesellschaft anpassen – eine auch heute noch große Herausforderung. Es ging nicht mehr nur darum, ausschließlich begabte Schülerinnen und Schüler zu fördern, sondern möglichst viele Kinder und Jugendliche mit Musik in Berührung zu bringen, sie zum Musizieren zu bewegen und ihnen so eine musikalische Bildung zu vermitteln.

Um der Arbeit der Musikschule eine größere Anerkennung nach außen zu verschaffen und um privaten Spendern die Möglichkeit zu geben, die Schule finanziell zu unterstützen, wurde über die Gründung eines Fördervereines nachgedacht. Am 9. August 1969 berichtete erstmals das Solinger Tageblatt darüber.

Solinger Tageblatt vom 9. August 1969, Quelle: Stadtarchiv Solingen

Im Jahr darauf, am 1. Oktober 1970, wird Iris Bieber zur neuen hauptamtlichen Leiterin der Jugendmusikschule ernannt. Josef Schlösser stand ihr bis Ende 1970 zur Seite und gab ihr Hilfestellungen. Mit dem Eintritt Biebers in das Amt der Leiterin wurde ein Meilenstein im Bereich musikalischer Früherziehung gesetzt. So konnte im Januar 1971 der erste Kursus für musikalische Früherziehung in der städtischen Kindertagesstätte Vorspel mit 12 Kindern im Alter von 4 Jahren beginnen. Bieber setzte sich stark dafür ein, die Kooperationen der Musikschule mit allgemeinbildenden Schulen und Kindergärten zu erweitern.

Solinger Tageblatt vom 15. Dezember 1970 Quelle: Stadtarchiv Solingen

Nachdem Iris Bieber 1972 die Jugendmusikschule verlassen hatte, konnte über zwei Jahre keine neue Leitung gefunden werden. Auf die im Frühjahr 1972 ausgeschriebene Stelle bewarben sich neun Interessenten. Die beiden in die engere Wahl gekommenen Bewerber erschienen aber nicht zur Vorstellung im Solinger Kulturausschuss. Trotzdem wurde einer der Bewerber gewählt, der das Amt dann allerdings nicht antrat. Auf eine neuerliche Ausschreibung bewarben sich nun acht Interessenten, die allesamt von der Mehrheit des Kulturausschusses abgelehnt wurden. 1974 kam es zu einer dritten Ausschreibung, der letztendlich gewählte Bewerber nahm seine Tätigkeit allerdings nur für vier Tage auf.
Im Lehrerkollegium der Musikschule wurden derweil Unterschriften für die Bestellung Konrad Burrs zum Musikschulleiter gesammelt, der am 1. April 1974  zunächst zum Stellvertreter, am 1. Januar 1975 dann schließlich zum hauptamtlichen Leiter der Jugendmusikschule ernannt wurde.

Solinger Tageblatt vom 25. Oktober 1973 Quelle: Stadtarchiv Solingen

Konrad Burr
Geboren in Dresden, erster Orgelunterricht beim Kreuzorganisten Prof. Herbert Collum.
1956 Abitur an der Kreuzschule zu Dresden.
Ab 1957 Studium an der Hochschule für Musik in Berlin-Charlottenburg bei Prof. Dr. Michael Schneider, Staatliche Prüfung für Kirchenmusik
danach an der Hochschule für Musik in Freiburg, mit besonderer Hinwendung zur Interpretation der Barockmusik bei Prof. Fritz Neumeyer.
Anschließend 3 Jahre Kantorendienst in Freiburg, mehrere Rundfunkaufnahmen als Cembalist beim SWF Freiburg.
1966 Kantor an der Stadtkirche zu Solingen-Ohligs.
1974 - 1996 Leiter der Musikschule der Stadt Solingen.
1997 - 1999 Mitarbeit im Vorstand der Deutschen Clavichordsocietät
1997 - 2000 verschiedene Clavchordkonzerte in vielen Städten, darunter München und Berlin
1996 - 2014 Organist an der Evangelischen Kirche in Solingen-Gräfrath

Im selben Jahr gründete er ein Jugendorchester (später Jugendsinfonieorchester genannt). Es bestand zum großen Teil aus Schülerinnen und Schülern der Jugendmusikschule, die Werke aus allen Epochen spielten. Neben eigenen Konzerten wurde das Jugendorchester außerdem für eine musikalische Umrahmung verschiedenster Anlässe, wie beispielsweise die Verleihung des Preises „Schärfste Klinge“, von der Stadt herangezogen.

Am 23. Juni 1975 berichtet die Rheinische Post über einen ersten „Tag der offenen Tür“ an der Musikschule Solingen.

Quelle: Stadtarchiv Solingen

Nachdem 1969 erstmals über die Überlegungen zur Gründung eines Vereins zur Förderung der Schüler der Jugendmusikschule berichtet wurde, fand am 18. März 1976 eine Elternversammlung in der Aula des Gymnasiums Schwertstraße statt, in der der Förderverein der Musikschule gegründet wurde.
Die ersten Vorstandsmitglieder waren:
– Herr Krauthäuser, 1. Vorsitzender
– Frau Bloch und Frau Wunderlich, Stellvertretung
– Herr Hühne und Herr Kluth, Schatzmeister
– Frau Hengele und Herr Giebisch, Schriftführer

Am 25. Juni 1978 gab es zum Abschluss des Schuljahres 1977/1978 ein feierliches Konzert der verschiedenen Ensembles der Jugendmusikschule. Das zu diesem Zweck neugegründete Jugendblasorchester erlebte seinen ersten großen Auftritt. Leiter und Gründer des Jugendblasorchesters war Alois Mansfeld, 1. Trompeter des Städt. Orchesters Solingen.

Am 15. Februar 1979 wurde die Jugendmusikschule vom Rat der Stadt Solingen in „Musikschule der Stadt Solingen“ umbenannt. Von diesem Zeitpunkt an konnten sich auch Erwachsene für den Unterricht in der Musikschule anmelden. Das Solinger Tageblatt berichtete über die Überlegungen bereits 1978.

Solinger Tageblatt vom 9. Juni 1978 Quelle: Stadtarchiv Solingen

Das Problem eines fehlenden zentralen Gebäudes konnte am 10. November 1981 gelöst werden. Durch den Umzug in die Villa Rautenbach in der Kronprinzenstraße 125 standen der Musikschule nun 9 Unterrichtsräume, 2 Büroräume und 4 Nebenräume, die durch großzügige finanzielle Unterstützung des Fördervereins hergerichtet werden konnten, zur Verfügung. Bis dahin fand der Unterricht über die ganze Stadt verteilt in Solinger allgemeinbildenden Schulen statt.

1983 brachte die „Deutsche Welle“ eine Sendung über das Jugendblasorchester und veröffentlichte dabei Ausschnitte aus der kurz zuvor aufgenommenen Schallplatte „Vorhang auf“.

Die Aufnahmen dieser sowie der Schallplatte „Schüler der Städt. Musikschule Solingen singen und musizieren“ wurden vom Verein zur Förderung der Schüler der  Jugendmusikschule der Stadt Solingen finanziert.

Quelle: Archiv der Städt. Musikschule Solingen GmbH  Quelle: Archiv der Städt. Musikschule Solingen GmbH Quelle: Archiv der Städt. Musikschule Solingen GmbH

1984 gründete der Flötenlehrer Hans-Jürgen Engels das Blockflötenorchester „Die frechen 13 and Friends“, das auch heute noch existiert und unter seiner Leitung drei bis vier Konzerte pro Jahr gibt.


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