Die Musikschule Solingen. . .
- mit rund 2.700 Schülerinnen und Schülern jeden Alters
- mit hervorragenden Unterrichtsergebnissen durch 80 examinierte Fachlehrkräfte
- mit vielfältigem Service durch das Musikschulsekretariat und den Fachbereichsberatern
- mit einem umfassenden Unterrichtsangebot mit insgesamt 38 verschiedenen Grund-, Instrumental- und Vokalfächern
- mit fast 3.000 qm² Räumlichkeiten
- mit 12 eigenen Orchestern, Bands und Ensembles
- mit über 100 Veranstaltungen, Projekten, Workshops und Kursen pro Jahr
- mit Unterstützung aus Wirtschaft und Gesellschaft (Förderverein)
Die Wirkung von Musikschularbeit in unserer Gesellschaft

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Allgemeines
Musikerziehung in der Musikschule
von Harald Müller (in Auszügen)
Viele, sehr viele Wege führen zur Musik. Auf irgendeinem dieser Wege
befindet sich jeder Mensch.
Der eine lässt sich einfach berieseln, der andere möchte aktiv hören,
besucht Konzerte oder schafft sich geeignete Wiedergabegeräte an, der
dritte wiederum singt oder spielt selbst auf einem Instrument.
Dann ist da noch der Berufsmusiker, für den die Musik nicht nur eine
seelische, sondern auch eine existentielle Bedeutung hat.
Wozu braucht ein Kind überhaupt Instrumentalunterricht?
Bringt er mehr als nur eine kontrollierte Freizeitgestaltung?
Ja, viel mehr - schon vor Jahrzehnten haben ungarische Pädagogen an
neutral aufgestellten Testgruppen von Schülern eindeutig festgestellt,
dass die allgemeinen schulischen Ergebnisse - besonders in Mathematik -
bei Instrumentalschülern erheblich besser sind als bei denen, die
keinen Instrumentalunterricht bekommen haben.
Eine Nachricht aus Amerika: Ein Forscherteam von Psychologen und
Pädagogen hat ermittelt, dass zehn Minuten Hören guter Musik - im Test
wurde Mozarts Musik gebraucht - die geistigen Fähigkeiten des Hörers
(Intelligenz, Gedächtnis usw.) erheblich und eindeutig messbar steigern.
Wir wissen nicht, warum das so ist - zu kompliziert ist die menschliche
Persönlichkeit. Wir können nur Vermutungen anstellen: Vielleicht ist es
die Bereicherung des Gefühlslebens, mit Auswirkungen auf die
Motivationsebene im Lernen und Arbeiten. Vielleicht ist es das tägliche
Training, durch das Körper und Geist immer wieder auf Zusammenarbeit in
Richtung Selbstkontrolle und Leistung getrimmt werden. Oder vielleicht
ist es die Mühe des Lernenden, Zusammenhänge zu begreifen und
herzustellen, die sich auf unbekannten Wegen auf die gesamte Denkweise
auswirken. Oder auch die tiefgreifende Auseinandersetzung mit der Zeit:
Nichts trainiert das Koordinationsvermögen zeitlicher Vorgänge so gut
wie der musikalische Rhythmus.
Wir wissen aber mit Sicherheit, dass der musischen Erziehung seit
vielen Jahrtausenden immer ein Platz in der Gesellschaft erhalten
geblieben ist. Wir wissen auch, dass im Durchschnitt die soziale
Integration von Musikschulabgängern erheblich besser ist als bei
anderen Schülergruppen.
Musikalische Erziehung war, ist und bleibt ein Markenzeichen für
sorgfältige Erziehung im Elternhaus, überall in der Welt - ein
Statussymbol, wenn man so will. Das kostet Geld und viel Mühe, doch die
sozialen Ergebnisse sind so überzeugend, dass die Kosten dieser
Investition immer wieder in Kauf genommen werden.
FÄCHER UND INSTRUMENTE

GRUNDFÄCHER
Musikalische Früherziehung (MFE) und Musikalische Grundausbildung (MGA)
bedeuten für die Musikschule in etwa das, was der Kindergarten bzw. die
ersten zwei Schuljahre für die weitere schulische Ausbildung des Kindes
bedeuten.
Behutsam, aber gezielt, durch Spiel, Singen, Bewegung und viel Spaß
werden den Kindern die ersten Begriffe und Fertigkeiten des Musizierens
beigebracht.
Die Teilnahme an der Früherziehung bzw. an der Grundausbildung ist die
beste Voraussetzung für einen nahtlosen, erfolgreichen Übergang zum
Erlernen des gewählten Instruments oder von Gesang.
INSTRUMENTAL UND- GESANGSUNTERRICHT
im Gruppenunterricht, Partnerunterricht, als Einzelschüler, im Ensemble
Instrumentalunterricht wird in Form des Gruppenunterrichts
(vornehmlich) oder einzeln erteilt.
Vorteile, Nachteile und individuelle Gegebenheiten werden in jedem Fall
zielorientiert erwogen, um jedem einzelnen Schüler den für ihn
optimalen Unterricht zu ermöglichen. Besonders wichtig ist das
Ensemblespiel; denn durch das gemeinsame Musizieren und Singen entsteht
ein Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Verantwortung für die eigene
Leistung und für die des ganzen Teams.
DAS TRAINING
Es ist schwierig, zwischen der Freude am Musizieren und Singen und der
Notwendigkeit des regelmäßigen Übens das Gleichgewicht zu halten.
Gespräche zwischen Eltern und Lehrer sind dabei sehr wichtig. Sobald es
möglich ist, sollte das Kind dazu angehalten werden, täglich zu üben.
Wenn das von den Eltern konsequent durchgehalten wird, gewöhnt sich der
Schüler an den Arbeitsrhythmus und empfindet ihn nicht als belastend,
vielmehr spürt er mit Freude, dass er immer besser spielt bzw.singt.
Kompromisse sollten die Eltern nicht eingehen, denn dann beginnt
erfahrungsgemäß sehr bald das Feilschen um die Freizeit, und das Üben
wird zu einer unangenehmen Pflicht, einem vom Lehrer und von den Eltern
auferlegten Zwang.
Die diskrete Gegenwart der Eltern in der Übezeit ist dringend zu
empfehlen. Auch die Erziehung der Kinder in Richtung selbständiger,
kreativer Arbeit ist wichtig.
Die Übezeiten für kleinere Kinder (sechs bis acht Jahre alt) dürften
irgendwo zwischen 15 und 25 Minuten liegen. Das tägliche Üben in zwei,
jeweils etwas kürzeren Abschnitten, ist eine sehr gute Lösung.
WAS SIND VERANLAGUNG, TALENT UND BEGABUNG?

Talent ist eine komplexe Gegebenheit. Alle menschlichen Eigenschaften -
musikalisches und nicht musikalisches Gehör, musikalisches, visuelles
oder assoziatives Gedächtnis, Intelligenz, Geschicklichkeit,
körperliche Koordination u.a. fließen hier ein.
Wenn ein Kind auf der Tastatur ein ihm bekanntes Lied sucht und auch
findet, wenn es ein Lied kindesgemäß aber richtig singt, dann sind mit
Sicherheit Bestandteile der Begabung vorhanden.
Wenn es dies nicht tun kann, heißt das noch lange nicht, dass es
unbegabt wäre. Der Umgang mit der eigenen Begabung ist heutzutage
weitgehend von der komfortablen Musikelektronik gestört: Wiegenlieder
sind out, die Eltern singen weniger, Hausmusizieren wird seltener.
Organe, die nicht beansprucht werden, verkümmern.
Solange der Instrumentalunterricht als Mittel für eine gründlichere
musische Erziehung gedacht ist, bleibt die Frage über die Begabung des
Kindes eigentlich gegenstandslos. Wird eine musikalische Laufbahn
angestrebt, so sollte man dennoch davon ausgehen können, dass zumindest
die vom Lehrer festgestellten, mehr oder weniger messbaren Fähigkeiten
des Musikschülers (nicht zuletzt der Fleiß) überdurchschnittlich sind,
und dass sie rechtzeitig erkannt werden.
MUSIK HÖREN
Das aktive Hören guter Musik ist unerlässlich. Aber nicht nach dem
Motto: "Hinsetzen und zuhören!" Lassen Sie die Musik einfach durch die
Wohnung rieseln. Und fragen Sie z.B. dann und wann, welches Stück
besser gefallen hat. Ein einmaliges Hören eines Musikstückes bringt
nicht viel. Tieferes Verständnis entsteht nur nach mehrmaligem Hören,
wenn der Hörer bestimmte Passagen erkennt und sie erwartet.
Doch was ist "gute Musik"? Wichtig ist: Keine Stilrichtung oder Gattung
darf von vornherein als wertlos abgetan werden. Alles, was gern gehört
wird und das Gemüt bewegt, hat seinen Wert.
Jeder Musikstil ist gewöhnungsbedürftig. Der Mensch liebt, was er kennt
- so ist es notwendig, das aktive Hören besonders der Klassik - im
weitesten Sinne des Wortes - zu unterstützen.
DAS VORSPIEL
Und noch eine Dimension des Instrumental- und Gesangsunterrichts, mit
Auswirkungen auf die psychische Kraft und das sozial ausgewogene
Verhalten des Kindes: das Vorspiel.
Vermutlich kennen Sie das mulmige Gefühl, die zugeschnürte Kehle und
das Herzklopfen, oder einfach die Angst vor dem Versagen, die sich bei
wichtigen Auftritten einstellen kann.
Wer kann schon sagen, wie viele Erfolgswege versperrt blieben, nur weil
der Mut fehlte, die inneren Barrieren zu überwinden?
Selbstbeherrschung ist trainierbar. Deshalb ermutigen wir unsere
Schüler, so oft wie möglich bei Familienfeiern vorzuspielen oder bei
den von der Musikschule organisierten Vorspielabenden teilzunehmen.
Auch hier gilt: Nicht zwingen, sondern überzeugen. Rücksichtslosen
Erwartungsdruck vermeiden wir wo immer wir können.
INSTRUMENTAL- und GESANGSUNTERRICHT ALS WEGBEREITER

Für den größten Teil unserer Schüler ist das musikalische Können kein
Selbstzweck - es ist eine Investition in geistige Werte und
Lebensqualität.
Sozio-Psychologen meinen, schöne Menschen hätten bessere Chancen in der
Gesellschaft. Doch ausschlaggebend ist das Aussehen nicht - dennoch
wird nach Möglichkeit nachgebessert ( Sport, Kosmetika, Mode etc.).
Seelisch, geistig und intellektuell gebildete Menschen haben radikal
bessere Chancen in der Gesellschaft - hier brauchen wir keine
Sozio-Psychologen zu befragen. Auch darum kümmern sich die
Musikschulen. Und es geht nicht um Nachbesserungen, sondern um tiefe
Änderungen in der Persönlichkeitsstruktur.
Das ist die eine Seite unserer Aufgabe - eine andere ist die berufliche
Verwertbarkeit unseres Angebots, denn auch die professionellen Musiker
beginnen ihre Laufbahn in der Musikschule.
Wer Orchestermusiker werden will oder gar national und international
bekannter Solist, muss im frühestmöglichen Alter den
Instrumentalunterricht beginnen, je nach Alter und Instrument bis zu
einer, zwei oder mehreren Stunden täglich üben und ein einschlägiges
Studium an einer Musikhochschule absolvieren.
Mit Rücksicht auf Schule und Privatleben muss er seine ganze
Arbeitskraft dem einen, erwählten Instrument oder dem Gesang zur
Verfügung stellen.
Der Wettbewerb "Jugend musiziert" ermöglicht den Teilnehmern
einzuschätzen, ob eine solche Karriere überhaupt in Frage kommt.
Nicht nur für die zukünftigen Spitzenmusiker ist die Ausbildung an der
Musikschule beruflich verwertbar. Im Unterricht werden die Schüler ggf.
auch auf die Aufnahmeprüfungen für ein Instrumentalpädagogik-,
Schulmusik oder Kirchenmusikstudium vorbereitet oder auf Grenzberufe
wie Toningenieur, Musiktherapeut, Musikwissenschaftler usw.
Anders sieht es im Bereich Rock, Pop, Jazz etc. aus. Abgesehen von
einer ordentlichen Instrumentalausbildung in der Kindheit und in der
frühen Jugend sind hier Schulabschlüsse nicht zwingende Notwendigkeit,
obwohl es mittlerweile auch hier entsprechende Studiengänge gibt.
Unzählige Bands entstehen und lösen sich wieder auf. Die Motivation
liegt fast immer im Spaß am gemeinsamen Musizieren. Manchmal kommen
auch kleine Aufträge: Mit Talent, Fleiß, gutem Management und ein
bisschen Glück kann eine Band zur materiellen Selbständigkeit abheben.
Obergrenzen für Erfolg gibt es nicht, aber auch das Risiko ist
entsprechend hoch.
In diesem Beitrag wurden nur Beispiele genannt. Um Näheres zu erfahren,
muss man sich in jedem einzelnen Fall gründlich informieren. Das
Tätigkeitsfeld Musik in Deutschland ist enorm.
Hier einige Zahlen (alte Bundesländer):
Mindestens 30.000 junge Menschen betreiben eine berufliche
Musikausbildung (unberücksichtigt bleibt hier die gesamte
Amateurausbildung von rund einer Million Schülern an ca. tausend
Musikschulen und mindestens ebenso vielen Kindern und Jugendlichen, die
privat oder in Musikvereinen Musikausbildung erfahren).
Den Musikberufen im weitesten Sinne wurden insgesamt rund 220.000 Personen zugerechnet:
Jahresumsatz des Wirtschaftsfaktors Musik: 23 bis 30 Milliarden Euro.